Auftakt zum USA-Semester: bevor die Vorlesungen losgingen, mit Tami einmal die ganze West-Coast-Klassik. Ein Roadtrip voller skurriler Kontraste, der uns von den rauen Straßen San Franciscos mit autonomen Autos und bewaffneten Obdachlosen bis an die Strände von L.A. führte, wo sich alles wie eine riesige GTA-5-Filmkulisse anfühlte. Unvergesslich bleiben unsere spontanen Campingnächte wo wir mit klopfendem Herzen im Zelt lagen – kurz nachdem ein wilder Bär nur drei Meter vor uns den Weg gekreuzt hatte. Zwischen Mammutbäumen, heißen Whirlpools und Wüstenhitze war dieser Auftakt das perfekte amerikanische Abenteuer.
„Ich habe gelernt: Viele US-Sehenswürdigkeiten sind einfach Steine. Man muss Steine schon mögen."
- Bärenbegegnungen (3 Meter Abstand!) in Yosemite und Sequoia
- Fahrt über den Big Sur Pacific Coast Highway
- Santa Monica Pier: Absolute GTA 5 Nostalgie in L.A.
- Das gigantische Panorama von El Capitan & Half Dome#
- Wüstensonnenuntergang im Joshua Tree Nationalpark
Der Auftakt: San Francisco
Ende Juli ging es los. Dreieinhalb Wochen Kalifornien mit Tami – der große Auftakt für mein USA-Auslandssemester. Wir flogen nach San Francisco. Schon beim Anflug über Nevada war ich völlig erstaunt von dieser trockenen Wüstenlandschaft und der künstlichen Bewässerung.
In San Francisco angekommen, fuhren wir mit dem Taxi direkt zu unserem schönen Hotel in der Altstadt, das Tami gebucht hatte. Doch gleich am ersten Tag gab es den absoluten Kulturschock: die unzähligen Obdachlosen. Wir wurden Zeugen, wie jemand mitten am Tag, bei hellichtem Tageslicht auf der Straße, einfach eine Pistole zog. Willkommen in Amerika. Später, als wir nachts unterwegs waren, kam uns das wahre Ausmaß des Problems entgegen: Die Leute auf der Straße waren wie Zombies, die teils aggressiv herumschrien. In Europa sind Obdachlose meist ruhig und zurückhaltend – was wir in San Francisco gesehen haben, war wirklich krank und erschreckend.
Aber die Stadt hatte auch ihre absolut faszinierenden Seiten. SF ist geprägt von Tech. Der Wahnsinn für mich: Ich habe hier zum ersten Mal echte, selbstfahrende Autos auf den Straßen gesehen. Komplett ohne Fahrer! Man fühlte sich, als wäre man 2023 bereits mitten in der Zukunft angekommen. Wir wanderten die steilen Straßen hoch, fuhren mit dem ikonischen Cable Car (wo man sich während der Fahrt aus dem Waggon hängen lassen kann – ein absolutes Highlight!) und klapperten die Klassiker ab: Painted Ladies, Lombard Street, Fisherman’s Wharf (inklusive Essen bei Bubba Gump). Es war genial, diese ganzen Gimmicks und Orte, die man sonst nur aus Filmen kennt, endlich live zu sehen.
Ein echtes Highlight war Alcatraz am nächsten Tag. Sündhaft teuer (wir mussten Last-Minute über einen Drittanbieter buchen), aber wahnsinnig cool gemacht und als Museum absolut empfehlenswert. Danach ging es auf eine Bootsfahrt in der Bucht, bei der wir auch unter der Golden Gate Bridge durchgefahren sind. Mitten auf dem Wasser riss plötzlich der Nebel auf. Ich genoss mein erstes amerikanisches Craft Beer (das mir übrigens gar nicht geschmeckt hat), während wir den perfekten Ausblick auf die majestätische Brücke hatten. Bei der Rückfahrt sahen wir erstmals Seelöwen und spazierten abends durch Chinatown, um dort etwas zu essen.
Auf dem Highway 1 in den Süden
Nach den ersten Tagen holten wir unseren Mietwagen ab und fuhren los. Der erste Stopp war das Napa Valley. Auf der Fahrt haben wir direkt einen Halt bei In-N-Out Burger gemacht und Pickup-Trucks mit gigantischen “Make Liberals Cry Again”-Aufklebern gesehen – es war schon fast amüsant, wie polarisiert die Gesellschaft in den USA ist. Im Napa Valley gab es Wein, und für mich einen besonderen Nerd-Moment: Ich stand live vor dem Windows XP Hügel (“Bliss”), auf den ich früher jahrelang an meinem PC gestarrt hatte. Sehr cool!
Als wir jedoch über die Golden Gate Bridge die Stadt verließen, schlug “Karl the Fog” wieder erbarmungslos zu. Extrem dichter Nebel, man hat absolut nichts gesehen.
Wir besuchten das Tech-Bilderbuch im Silicon Valley: Beim Google Campus gab es leider nicht so viel zu sehen, aber der Campus von Stanford war wunderschön und sehr beeindruckend. Auch das Apple Visitor Center stand auf dem Programm. Weiter ging es nach Santa Cruz. Wir besuchten den legendären Rummelplatz am Pier, fuhren Achterbahn und ließen uns im “Mystery Spot” veräppeln – eine offensichtliche Fake-Gravitationsanomalie, die man wirklich nur Amerikanern als Magie verkaufen kann.
In Monterey schliefen wir nur, aber immerhin mit einem sehr schönen Abendessen – wahrscheinlich den teuersten Pasta meines Lebens. Über den legendären Highway 1 ging es weiter Richtung Süden. Bei Big Sur und der berühmten Bixby Bridge hatten wir leider wieder sehr dichten Nebel, aber die Fahrt an der Küste war trotzdem atemberaubend. Im Julia Pfeiffer Burns State Park riss das Wetter glücklicherweise wieder auf. Wir wanderten im Park und genossen den wunderschönen Strandabschnitt.
Walmart-Wahnsinn und die Giganten der Nationalparks
Was in den USA wirklich fantastisch ist: Man kann immer einkaufen. Wir entschieden uns ganz spontan um 21:00 Uhr, dass wir am nächsten Tag im Yosemite National Park campen wollten – also fuhren wir einfach noch in einen riesigen Walmart und kauften nachts noch Zelt, Isomatte und alles, was das Herz begehrt. The European mind cannot comprehend. Wenn man den restriktiven bayerischen “Lockdown” (wo um 20:00 Uhr gnadenlos die Läden schließen) gewohnt ist, sind das ganz neue Welten.
Der Yosemite National Park war für mich ein unglaublicher Wow-Moment. Bei der Einfahrt ins Tal wurde ich von der gigantischen Kulisse förmlich umgehauen – es ist wahrscheinlich mein absoluter Lieblings-Nationalpark geworden. Wir wanderten den Mist Trail zu den gewaltigen Vernal Falls und Nevada Falls. Es führte extrem viel Wasser, was den Anblick noch atemberaubender machte. Vom legendären Tunnel View und vom Glacier Point aus hatten wir unglaubliche Panoramen auf El Capitan und Half Dome.
Der wahre Nervenkitzel war hier aber die Tierwelt: Wir haben dort wirklich nah Bären gesehen. Und zwar mehrmals! Einmal lief uns ein Bär nur drei bis fünf Meter entfernt direkt vor uns über den Weg. Tami hatte verständlicherweise ziemlich viel Angst – und ich? Ich habe kräftig Fotos gemacht. Wir haben dort am Abend auch in unserem frisch gekauften Walmart-Zelt übernachtet und hatten (nachdem uns gesagt wurde, dass am Vortag in der Gegend Bären gesichtet wurden) definitiv etwas Sorge. Es klappte aber alles problemlos und wir blieben nachts bärenfrei.
Nach einem heißen Zwischenstopp, unter anderem in Bakersfield und Fresno, fiel uns auf der weiteren Fahrt ein unfassbares klimatisches Phänomen auf. Während es in San Francisco und an der Küste (Santa Cruz) kalt, neblig und mild war, herrschte nur ein paar hundert Kilometer weiter im Landesinneren eine absolut drückende, extreme Hitze. Diese geographischen und klimatischen Extreme auf so kurze Distanz fand ich als Geografie-Nerd hochinteressant.
Der nächste Natur-Höhepunkt war der Sequoia National Park. Ein toller, nicht ganz so überlaufener Park, der mir richtig gut gefallen hat. Die gigantischen Mammutbäume, insbesondere der General Sherman Tree, haben mich völlig fasziniert. Auch der Ausblick vom Moro Rock war grandios. Wir haben auch hier eine Nacht gecampt und hatten tagsüber erneut extrem hautnahe Bären-Sichtungen.
Erstes L.A.: Film-Gimmicks, GTA Vibes und autonome Roboter
Zurück in der Zivilisation näherten wir uns Los Angeles. Erster Stopp: Die Getty Villa. Wunderschön, aber das Gebäude hat sich irgendwie falsch angefühlt – eher wie Europa, sowas erwartet man in den USA gar nicht. Weiter ging es nach Malibu. Meine erklärte Mission: Das berühmte Strandhaus von Charlie Sheen aus “Two and a Half Men” finden. Ich stand in der exakten “Front Row” am Strand, von der aus die Serie immer wieder diesen Malibu-Blick inszeniert – aber das Haus aus der Serie existierte dort in echt natürlich nicht. Wir übernachteten in Thousand Oaks, wo unser größtes Highlight ein heißer Whirlpool war (wir lieben heißes Wasser, selbst im Hochsommer!).
Der nächste Tag in L.A. war ein absoluter “GTA 5”-Nostalgie-Trip. Santa Monica Pier, Venice Beach, Muscle Beach, der riesige Skatepark und die Venice Canals. Die ganze Zeit hatte ich dieses merkwürdige Gefühl: “I’ve been here before.” Jeder, der GTA V gespielt hat, kennt dieses absurde Gefühl, wenn man das erste Mal am Pier in L.A. steht. “Don’t worry bro, I got it.” Wahnsinnig voll, aber ein tolles Erlebnis.
Natürlich durften auch die anderen Sehenswürdigkeiten nicht fehlen. L.A. ist extrem weitläufig – unglaublich, wie viel man in dieser Stadt mit dem Auto fahren muss. Hier sahen wir leider wieder viele völlig verwahrloste Obdachlose, aber zum Glück nicht ganz so wild und aggressiv wie in San Francisco. Wir fuhren durch Beverly Hills, bewunderten am berühmten Rodeo Drive Luxuskarossen und schlenderten über den Walk of Fame in Hollywood. Hier sah ich dann auch zum ersten Mal einen autonomen “Delivery Robot” (von einer Tech-Firma), der Pizzen ausfuhr. Wieder dieser faszinierende Eindruck: Sie sind der Zeit in Europa so weit voraus. Danach ging es natürlich noch hoch zum berühmten Hollywood Sign.
San Diego, Wüstenhitze und L.A.-Goodbye
Das nächste große Ziel war San Diego. Die Stadt wirkte auf uns ruhig und fast ein bisschen langweilig. Ironischerweise war das Wetter sehr mäßig, obwohl San Diego laut Klimadiagramm mit das angenehmste Wetter der Welt haben soll. Wir sahen viele Seehunde, zufällig eine Hochzeit und besuchten die berühmte USS Midway. Für mich als Nerd war es grandios, dort in der “Top Gun”-Schule herumzustöbern und mich in einen Top Gun-artigen Jet zu setzen. Ein echter Real-Life-Moment!
Danach kam die kalifornische Wüste. In Palm Springs hatten wir eine tolle Unterkunft mit Pool. Es war ein Traum: Selbst nachts hatte es hier noch fantastische 38 Grad, sodass wir herrlich draußen liegen konnten. Tagsüber ging es in den extrem heißen, aber völlig unterbewerteten Joshua Tree National Park. Über 45 Grad! Aber es war genial. Auch wenn einige der berühmten Joshua Trees leider verbrannt waren, faszinierte mich die Szenerie total. Wir sahen skurrile Formationen, einen herzförmigen Felsen und weite Canyons. Ich habe hier eine wichtige Lektion über USA-Reisen gelernt: Die meisten großen Sehenswürdigkeiten sind im Grunde genommen einfach “Steine” – man muss Steine schon mögen.
Zum Abschluss ging es noch einmal nach L.A. zurück. Bevor wir abflogen, ließen wir das Ganze im Griffith Observatory ausklingen, was noch mal ein echtes Postkartenmotiv und Glitzer-Highlight war.
Am nächsten Tag kam dann das, worauf wir uns beide nicht gefreut hatten: Der Abschied am Flughafen. Es war extrem traurig, weil wir wussten, dass wir uns jetzt für mindestens drei Monate nicht sehen würden. Bei Tami flossen natürlich die Tränen, aber auch für mich war es ein harter Abschied.
Für Tami ging es zurück nach Deutschland. Und für mich ging die Reise erst richtig los – ab ins Auslandssemester nach Boulder. To be continued…
Checkliste: Gimmicks aus Film, TV & Games in echt erleben
| Gimmick | Ort / Erlebnis | Gesehen? |
|---|---|---|
| Golden Gate Bridge | San Francisco Bay | ✅ |
| Alcatraz (aus unzähligen Filmen) | San Francisco Bay | ✅ |
| Windows XP Hügel (“Bliss”) | Napa Valley | ✅ |
| Charlie Sheens Strandhaus | Malibu | ❌ (Existiert dort nicht) |
| Santa Monica Pier (wie in GTA V) | Los Angeles | ✅ |
| Hollywood Sign | Los Angeles | ✅ |
| Griffith Observatory (GTA V & Filme) | Los Angeles | ✅ |
| Top Gun Jets | USS Midway, San Diego | ✅ |
- San Franciscos Obdachlosigkeit war ein echter Schock — Pistole bei hellichtem Tag
- „Karl the Fog" hat Golden Gate und Big Sur immer wieder komplett zugenebelt
- San Diego wirkte auf uns ruhig bis fast langweilig
- Mein erstes US-Craft-Beer hat mir gar nicht geschmeckt
- Charlie Sheens Strandhaus aus „Two and a Half Men" (existiert dort gar nicht)