Direkt nach Aspen ging es mit Jake, Aron und Josh hoch nach Wyoming. Jackson Hole, die Tetons, Idaho, Big Sky und Bozeman. Ein Trip am Rand der Energie: keine feste Wohnung mehr in Boulder, der Ikon Pass musste ausgenutzt werden, Yellowstone lockte, und Silvester in den USA wollte ich bewusst nicht verpassen. Am Ende blieben Cowboy-Bar, Nordrockies-Kälte, sehr wenig Schnee, raues Mountain-West-Gefühl und das riesige Glück, mein zuvor in Aspen verlorenes iPad durch einen Zufallskontakt wiederzubekommen.
„Skifahren ohne Schnee, Cowboy-Vibes und die Rettung meines iPads."
- Silvester in der Million Dollar Cowboy Bar
- Trip-Song: Pretty Good at Drinking Beer
- Sonnenuntergangs-Blick auf die Tetons aus Idaho
- Big-Sky-Morgen bei brutaler Northern-Rockies-Kälte
- iPad-Rettung durch einen Red Rocks-Bekannten
Enge Takte, so wie ich es mag! Am 28. Dezember waren wir gerade erst von unserem Camper-Trip aus Aspen zurückgekommen – völlig KO und wahnsinnig spät am Abend. Am 29. mussten wir den Camper in der Früh direkt wieder abgeben, ein riesiger Stress, und schon am 30. ging es weiter auf die nächste Reise: hoch in den Norden.
Das war nicht einfach nur Rastlosigkeit, sondern auch diese USA-Logik meines Auslandssemesters: Wenn man schon einmal da ist, reizt man es maximal aus. Das Semester war offiziell vorbei, meine Wohnung in Boulder lief aus, der Rückflug ging erst viel später von Florida – also musste diese Zwischenzeit gefüllt werden. Und zwar nicht mit Warten, sondern mit Reisen. Der Ikon Pass war da, und ich hatte schon einiges über das berühmte Skigebiet in Jackson Hole gehört. Yellowstone stand als großer Name im Raum, und die Idee von Josh, Silvester dort oben zu verbringen, hatte sofort diesen „Das muss man eigentlich machen“-Sog.
Wir, das waren Josh E, Aron, Jake und ich. Früh morgens, allerspätestens um 6 Uhr, haben wir uns auf den Weg gemacht und tatsächlich schon gegen 14 Uhr Jackson Hole in Wyoming erreicht. Wyoming fühlte sich direkt nach einem raueren, leereren Amerika an. Viel kälter, viel nördlicher und vor allem viel weniger besiedelt als Colorado. Jeder Zweite fährt einen riesigen Pick-up Truck, überall wird Feuerwerk verkauft (ganz im Gegensatz zum strikten Colorado) – eine komplett andere Welt.
Und wie es für manche Trips diesen einen Song gibt, hatte auch dieser Trip seinen Soundtrack: Pretty Good at Drinking Beer von Billy Currington. Wir hörten sowieso die ganze Zeit Country, aber dieser Song blieb hängen. Er passte perfekt zu Wyoming, Cowboy-Bar, Pick-ups, Bier, Müdigkeit und guter Laune. Bis heute ist er für mich direkt mit diesem Trip verbunden.
Die Tetons
Gleich am ersten Nachmittag wollten wir in den Grand-Teton-Nationalpark fahren, mussten aber feststellen, dass die Straßen ziemlich schnell gesperrt waren. Also haben wir vor dem großen Jackson Lake gepost. Die Tetons selbst waren beeindruckend, aber fast noch stärker war für mich das ganze Leben im Norden: diese Leere, diese Kälte, dieses raue, schwer berechenbare Klima. In den Alpen sind Berge Teil einer dicht erschlossenen Welt. Hier wirkte alles viel weiter, flacher und leerer, und dann standen plötzlich diese steilen, spitzen Tetons wie eine Wand aus der Ebene heraus.
Silvester in der Million Dollar Cowboy Bar
Am 31. ging es dann ab auf die Pisten von Jackson Hole. Das berühmte Resort, doch leider muss ich sagen: Es war das Skifahren mit dem wahrscheinlich wenigsten Schnee meines Lebens! Das Wetter war zwar genial, aber die Pisten waren oft eisig. Am berühmten Corbet’s Couloir – dieser irren Mutprobe, wo sich Leute fast senkrecht in die Tiefe stürzen – bin ich nur vorbeigefahren. In anderen Momenten hätte mich so etwas vielleicht gereizt, aber bei diesen Bedingungen war es kein verpasster Mut, sondern schlicht Vernunft.
Abends, zu Silvester, starteten wir in unserer zentralen Unterkunft erst einmal mit einem Pregame, bevor wir zu Fuß in die legendäre Million Dollar Cowboy Bar zogen. Das war ein Vibe! Überall ausgestopfte Tiere, Cowboy-Bilder, Live-Musik, eine Band – ein durch und durch typisch amerikanisches Erlebnis. Anfangs war ich noch Beobachter, am Ende auf der Tanzfläche fühlte ich mich dann tatsächlich ein Stück weit als Teil davon. Eine kleine, gelungene Amerikanisierung. Ich trug meinen CU Boulder Hoodie, ab und zu hörte ich ein „Sko Buffs“ (der Slogan der CU-Football-Mannschaft) – da fühlte ich mich nach dem Semester wirklich als Teil des Ganzen. Ein extrem cooles und völlig anderes Silvester, als ich es sonst gewohnt war.
Über Idaho nach Montana
Am Neujahrstag waren wir natürlich nicht gerade maximal frisch. Nach so einem Silvester nochmal Ski zu fahren, ist objektiv keine brillante Erholungsidee – aber was muss, das muss. Gerade mit dem Ikon Pass fühlt sich ein halber Skitag fast kostenlos an, also haben wir Jackson Hole noch einmal mitgenommen. Corbet’s Couloir blieb auch diesmal eher Mythos als Option. Es lag zu wenig Schnee, ich war nicht in diesem Zustand, und ehrlich gesagt war ich froh, dass die Entscheidung dadurch relativ einfach wurde.
Danach fuhren wir über Tetonia nach Idaho. Von dort hatten wir im Abendlicht einen schlichtweg genialen Blick auf die Rückseite der Tetons. Einer dieser Momente, der sich wirklich ins Gedächtnis brennt: Weite, Abendlicht, diese Bergkante am Horizont und wieder dieses Gefühl, wie riesig die USA eigentlich sind. Nach einem massiven “Taco Bell Feast” ging es weiter Richtung Yellowstone.
Den großen Yellowstone Nationalpark, der eigentlich auf dem Plan stand, mussten wir leider auf meine “Misslist” setzen. Ich hatte viel davon gehört: vielleicht der schönste Nationalpark der USA, Grizzlys, Bisons, Geysire, Wildnis, alles mitten im Nirgendwo. Gerade weil wir von Boulder aus für amerikanische Verhältnisse schon relativ nah dran waren, tat es weh, ihn nicht richtig zu sehen. Im Winter ist der Park aber nur sehr eingeschränkt und oft nur mit teuren Schneemobilen zugänglich – zeitlich und budgettechnisch war das nicht drin. So nah dran zu sein und trotzdem nicht reinzukommen, war bittere FOMO.
Am nächsten Morgen ging es nach Big Sky zum Skifahren. Wenn Jackson Hole wenig Schnee hatte, dann hatte Big Sky gar keinen. Ich hatte mit meinem Leih-Snowboard teilweise echt Angst um meine Kaution, so oft, wie wir über Steine gekratzt sind! Was aber noch viel extremer war: die Kälte. Minus 20 Grad Celsius am Morgen, als wir zum Auto liefen. Das war kein romantisches Wintergefühl, sondern eher ein Schlag ins Gesicht. Der Körper schaltet sofort in Ausnahmezustand, die Kälte geht brutal schnell durch alles hindurch, und in Kombination mit der Müdigkeit war das wirklich wild. Früher hatte ich mir unterwegs selbst den Spitznamen „Mister Alaska“ gegeben und Kälte geliebt – in diesem Moment habe ich sie deutlich schlechter vertragen.
Trotzdem hatte dieser Morgen etwas: ultraklarer Himmel, dieser Northern-Rockies-Blick, Lone Peak, Mond, harte Luft. Nach Big Sky fuhren wir weiter nach Bozeman, der Studentenstadt, von der mir Aron immer vorschwärmte (“Bozeman ist das bessere Boulder”). Ich fand es weniger spektakulär als angekündigt, aber der Abend mit Burgern und Bingo war lustig.
Auf der langen Rückfahrt nach Colorado am 3. Januar bekam ich dann noch einmal einen sehr amerikanischen Einblick: Jake und Aron erzählten von ihrer Zeit in Fraternities, von Aufnahmeritualen, Whiteclaw, großen Frat-Häusern, Partys und dem ganzen Fratboy-Lifestyle. Vieles daran klang gleichzeitig faszinierend, hohl und verstörend. Nicht so elitär, wie man sich Studentenverbindungen aus europäischer Sicht manchmal vorstellt, sondern oft sehr praktisch: große Häuser, große Partys, viel Status, viele Frauen, viel Gruppendruck.
Am letzten Triptag klärte sich dann auch die Sache, die die ganze Zeit im Hintergrund mitgelaufen war: mein vergessener Rucksack. Auf dem vorherigen Aspen-Camper-Trip war ich am letzten Tag noch kurz bei einem Kumpel zu Hause gewesen, konnte dort duschen und hatte genau dort meinen Rucksack mit dem iPad vergessen. Wir checkten es erst, als wir schon zurück in Boulder waren. Aspen ist fast fünf Stunden entfernt – nichts, was man mal eben nachholt. Es war nicht nur ein Wertgegenstand. Das Auslandssemester hatte meine finanziellen Reserven ohnehin stark aufgebraucht, das iPad gehörte eigentlich Tami, und in dieser Phase ohne feste Adresse in Boulder hing daran auch ein Stück Sicherheit, Erinnerung und Verbindung nach Hause.
Mein Kumpel hatte den Rucksack zwar per UPS nach Boulder geschickt, aber dort hatte ich inzwischen keine feste Unterkunft mehr, und mein alter Mitbewohner war wegen der Arbeit kaum zu Hause. Eine Paketablage wäre fatal gewesen; mir war schon einmal eine Walmart-Bestellung vor der Haustür geklaut worden. Dann kam dieser absurde Zufall: Ein Typ, den ich ein paar Monate zuvor beim Red-Rocks-Konzert kennengelernt hatte, war UPS-Fahrer. Ich hatte seine Nummer noch, schrieb ihm, und er konnte das Paket für mich direkt im UPS-Verteilzentrum abfangen. Das klingt im Nachhinein fast erfunden, aber genau so lief es. Eine riesige Erleichterung und für mich das heimliche Highlight des gesamten Trips.
Was von diesem Trip bleibt, ist weniger ein einzelner Ort als ein Gefühl: Weite im riesigen Ausmaß der USA. Nordrockies, Mountain West, Kälte, leere Straßen, Pick-ups, Feuerwerksläden, Skifahren trotz Erschöpfung, Country-Musik im Auto, und mittendrin diese absurde Erleichterung, dass ein fast zufälliger Kontakt aus Red Rocks meinen Rucksack gerettet hat. Ein wilder, eiskalter und unglaublich witziger Trip – aber auch einer, der gezeigt hat, wie dünn die Grenze zwischen maximaler Ausreizung und echter Überforderung manchmal ist.
- Yellowstone verpasst (nur mit teurem Schneemobil zugänglich)
- Wahnsinnig wenig Schnee beim Skifahren in Jackson und Big Sky