Drei völlig unterschiedliche Tunesiens in einer Woche. Tunis? Unerwartet liberal und so französisch, als hätten wir in Frankreich geparkt. Der Süden war das eigentliche Action-Programm: Wohnhöhlen, Dünenbashing, Lars Homestead und Salzpfannen. Ausgebremst wurde das Ganze am Ende durch zwei Tage Runterkommen mit Bier, Parasailing und ordentlich Sonne.
„Wenn du mit einer Kühlbox aus dem Carrefour fährst, weißt du, dass der Süden trocken wird."
- Geschlafen in einer Wohnhöhle in Matmata (noch besser als Sidi-Idriss-Hotel)
- Quad-Dünenbashing in Ksar Ghilane
- El Jem mitten im Alltags-Tunesien
- Parasailing auf Djerba
- Der herzlichste Hostbesitzer in Tataouine
Wieder mal ein lehrbuchmäßiger Gabelflug-Trip: oben rein, unten raus und in der Mitte alles aus dem Land rausgepresst, was in eine Woche passt. Für eine Strecke wie diese eigentlich zu kurz — und genau deswegen sind wir vom ersten Tag an im Effizienzmodus gelaufen. Auslassen musste wir um die Strecke nicht zu Überladen: Den Südwesten mit den Oasen bei Tamerza, dem Chott el Djerid und den dortigen Star-Wars-Drehorten hat zeitlich nicht mehr reingepasst – die Ecke landet definitiv auf der Misslist.
Tunis und Norden — sind wir in Frankreich?
Nach der Landung gleich den Mietwagen aufgesammelt und direkt zum ersten Stopp Sidi Bou Said, und das erste Abenteuer ist schon das Parken. Der Verkehr afrikanisch-chaotisch, mein deutscher Reflex war: der Typ, der mir einen Platz zeigt, will Geld. Wollte er aber nicht — und war beleidigt, als ich es ihm unterstellt habe. Erster guter Reminder, dass Tunesien nicht gleich wie Marroko und Ägypten ist und man Land und Leute niemals über einen kam schere sollte. wichtige Reiseerkenntnis für mich. Das Dorf selbst: blau-weiß, Postkarte, hat mich an Griechenland erinnert — und so ein bisschen an Mykonos für Arme. Aber wirklich reizvoll vor allem das Herrenhaus das wir besichtigt haben. Dort gleich mein erstes kulinarisches Highlight, eine Shakshuka. Auf dem Rückweg Karthago mitgenommen, Geschichte stark, aber das gleiche Problem wie bei allen Römerruinen: erkennen kann man kaum was. Danach Carrefour-Stopp, hauptsächlich für Bier, und Yannicks geniale Idee — eine Kühlbox kaufen. Ich wusste schon durch meine Recherechen vorab: Im Süden wird’s trocken 😉.
Der Check-in in Tunis: Das „Luxury Apartment“ war eher Realsatire als Luxus. Kabel hingen aus der Decke, die Klimaanlagen waren kaputt und die Dusche verdiente diesen Namen eigentlich nicht. Der Besitzer hatte wohl versucht, einen Pool oder ein überdimensionales Fußbad zu bauen – kläglich gescheitert, von „German Engineering“ keine Spur. Max und Yannick waren ehrlich entsetzt, mir wäre die Hälfte vermutlich gar nicht aufgefallen. Sagen wir es so: Die Niveau-Kalibrierung war innerhalb der Gruppe etwas unterschiedlich. Auf dem Weg zum Abendessen durch die Souks herrschte aber wieder gute Stimmung. Die Stadt war voller Energie, auch wegen eines Fußballspiels (extrem intensives Gehupe und Autokorsos). Danach folgte die billigste Taxifahrt aller Zeiten: 1 € für gute 15 Minuten Fahrt.
Bardo, Raserei und El Jem
Tag zwei: das Bardo-Museum, normalerweise nicht meine Welt, aber die Mosaiken waren wirklich beeindruckend. Dann lange Fahrt nach Süden — Max ist gefahren wie ein F1 Profi. Speeding-Tickets in Tunesien sind günstig (angeblich nur 30€ für bis zu 50kmh/h drüber), das hat er genüsslich ausgekostet. Die Straßen wurden behandelt wie eine deutsche Autobahn.
El Jem war der eigentliche Wow-Moment des Tages. Du sitzt in einem dieser kleinen Läden zwischen Mopeds und Stromkabeln, isst dein Schawarma und denkst dir jetzt bin ich in Afrika. Und ums Eck steht dieses Kolosseum, ähnlich wie in Rom aber mit kaum Turisten. Dieser Kontrast — Alltags-Tunesien außen, römische Wucht innen — war einer der stärksten Momente der Reise.
Salzpfanne, Wohnhöhle und Star Wars
Statt der großen Salzpfanne Chott el Jerid haben wir den kleineren Chott el Faja mitgenommen. Einfach weils besser auf dem Weg lag — kurz parken, Bier auf, Blick treiben lassen. Klein, aber richtig schön. Übernachtung in Matmata in einer echten Wohnhöhle — teuer, aber jeden Dinar wert. Cool gemacht, super Abendessen, viel zu viel Essen und reichlich Schnaps.
Am nächsten Morgen leicht angeschlagen weiter zum Hotel Sidi Idriss — auch eine Wohnhöhle, aber als Hotel mittelmäßig. Macht aber nichts, weil: Lars Homestead aus Star Wars. Allein das ist es wert. Hier auch das erste Mal, dass jemand wirklich versucht hat, uns was zu verkaufen — aber auch das war Marokko/Ägypten-Maßstäben gegenüber Kindergeburtstag.
Ksar Ghilane — die Wüstenfahrt
Weiter über ein Berber-Museum und kleine Höhlendörfer in die echte Steinwüste. Die Fahrt nach Ksar Ghilane war ehrlich gesagt gruselig — man fährt im Wind und langsam aufkommendem Sand einfach ins Nichts. Wetter mies, kühl, stark bewölkt, aber genau deswegen unfassbar atmosphärisch. Die Unterkunft hat enttäuscht — der Ort war mal als großer Urlaubsort geplant, die Touristen sind nie gekommen, jetzt verfällt er langsam. Kulinarisch war auch nur sehr wenig geboten. Ein paar Pommes und Würste war alles war es scheinbar in dem Ort gab. Was bleibt: heiße Quelle mitten in der Oase und das Quad-Dünenbashing am Abend. Deutlich besser als mein Ägypten-Quaden seinerzeit (dort ist man nur durch Geröll gefahren), hier waren es echte Sanddünen. Highlight des Trips.
Tataouine — der herzlichste Mensch
Weiter nach Tataouine. Ksar Haddada als Star-Wars-Drehort abgehakt, aber die eigentlichen Perlen waren die Berber-Bergdörfer: Chenini, die Fahrt zum verfallenen Douiret und vor allem die Siebenschläfer-Moschee, deren Turm so schief stand, dass man auf dem Weg nach oben kurz mit dem eigenen Schicksal abgeschlossen hat. Cooler Guide oben drauf. Ksar Ouled Soltane haben wir zeitlich nicht mehr geschafft — als Mister FOMO hat mich das geärgert.
Die Unterkunft: bester Host der Reise. Unfassbar herzlich, hat uns Rabatt gegeben, Kaffee gebracht, sich aufrichtig gefreut, dass wir da waren. Der Schlaf war trotzdem mau — Hähne, die ab 2:30 Uhr meinten, jetzt sei Tagesanbruch. Hab so was noch nie erlebt.
Djerba — All-Inclusive, Ende der Reise
Auf dem Weg noch an einem ausgetrockneten Salzsee gehalten — sah krass aus. Dann Djerba, Bändchen ans Handgelenk, ab an den Pool. Alkohol inklusive in Mengen, das war die Hauptattraktion für Max, Yannick und Joshua die sich mittlerweile nach Erholung sehnten. Das beste: Wir hatten zwei Tage knallenden Sonnenschein — UV-Index 10, das Ding heizt dich auf wie ein Toaster. Essen vom Buffet war funktional aber nichts besonderes, Pool und Strand und die Bedinung aber top, Anlage eher Rentner-Klientel — passt mir ehrlich gesagt Nightlife ist sowieso nicht meine Welt. Parasailing war für mich das Finale-Highlight, viel zu kurz, aber ein Wahnsinns-Blick.
Mietwagen-Rückgabe auf Marokko-Niveau: irgendeinem Typen am Parkplatz den Schlüssel in die Hand gedrückt, nichts unterschrieben, tschüss. Für eine deutsche Reflexsynapse leicht beunruhigend.
Was hängengeblieben ist
Nord Tunesien ist überraschend liberal. In Tunis kaum Kopftücher, fast Frankreich-Vibe — Franzöische Supermarktketten, Patiseries, Straßenbahn (mit offenen Türen). Verständigung lief überwiegend auf Französisch, selten Englisch — außer im Djerba-Resort. Cooler Nebeneffekt: mein Schulfranzösisch ist innerhalb von drei Tagen wieder ausgegraben worden.
Essenstechnisch hängt es hinter Marokko. Man merkt, dass vor allem In der Wüste wenig Zutaten zur Verfügung stehen. Die marokkanischen Tajines mit dieser süß-deftigen Eintopf-Note fand ich besser. Was funktioniert: Shakshuka, Schawarma — wobei die Pommes oft enttäuschend waren.
Freundliche Menschen. Anders als Marokko oder Ägypten, wo dir an jeder Ecke was verkauft werden soll. Nur wenigen Hotspots hat man den Tourismus- Reflex gespürt.
Fazit
Sechs Tage, vier Jungs, null Leerlauf. Für diese Strecke war eine Woche eigentlich zu kurz, aber genau diese kompromisslose Taktung hat den Trip erst ausgemacht. Wir haben drei völlig verschiedene Gesichter Tunesiens im Schnelldurchlauf erlebt – vom liberalen Norden über die raue Steinwüste bis zum UV-gegrillten All-Inclusive-Koma am Pool. Der Gabelflug (rein nach Tunis, raus aus Djerba) war dafür strategisch der perfekte Schachzug.
- Tunis-„Luxury Apartment" war Realsatire — Kabel aus der Decke, Klima kaputt, Dusche nur dem Namen nach
- In Ksar Ghilane verfällt die Unterkunft, kulinarisch nur Pommes und Würste
- Djerba-Buffet meh — funktional, aber nichts Besonderes
- Hähne in Tataouine ab 2:30 Uhr — so was noch nie erlebt
- Tamerza-Oasen im Südwesten
- Chott el Djerid komplett
- Star-Wars-Drehorte um Tozeur
- Ksar Ouled Soltane (zeitlich nicht geschafft)
Tunesien
Im Atlas öffnenTunesien ist ein Land der extremen, aber zugänglichen Kontraste. Im Norden besticht es durch einen liberalen, französisch geprägten Charme, während der Süden mit rauen Wüstenlandschaften, alten Berberdörfern und echten Star-Wars-Kulissen das eigentliche Abenteuer liefert. Ohne die aufdringliche Verkäufer-Mentalität anderer nordafrikanischer Länder lässt sich Tunesien wunderbar auf eigene Faust als Roadtrip erkunden – vorausgesetzt, man hat sein altes Schulfranzösisch noch irgendwo im Hinterkopf.
„Nach drei Tagen Wüste feiert dein französisches Schulvokabular ein Comeback, das du nie bestellt hast."
- Tunis Ankunft, Bardo-Museum am Tag 2. Verkehr afrikanisch, Stadtbild fast französisch.
- El Jem Schawarma am Straßenrand mit Blick auf das Kolosseum. Stärkster Kontrast des Trips.
- Matmata Wohnhöhle bei Tijma übernachtet, Hotel Sidi Idriss (Lars Homestead) am nächsten Morgen. Koordinate bewusst auf den Unterkunfts-Ort gesetzt, damit die Route sauber rendert.
- Ksar Ghilane Verlassene Wüstenstraße rein, heiße Quelle, Quad-Dünenbashing am Abend.
- Tataouine Bester Host der Reise. Basis für die Berber-Bergdörfer.
- Djerba All-Inclusive-Hotel. Parasailing, Pool, Sonnenbrand, Buffet meh.
- Sidi Bou Said Weiß-blaues Dorf — wie Mykonos für Arme. Erste Shakshuka.
- Karthago Geschichte ja, sichtbare Ruinen eher mau.
- Bardo-Museum Mosaiken waren wirklich beeindruckend.
- Amphitheater El Jem Römisches Kolosseum mitten im Alltags-Tunesien.
- Chott el Faja Salzpfanne — kurzer Stopp, Bier, Blick.
- Hotel Sidi Idriss (Lars Homestead) Star-Wars-Drehort. Wohnhöhle, aber als Hotel mittelmäßig.
- Berber-Museum (Tamezret) Kleines Museum auf dem Weg in den Süden.
- Ksar Haddada Star-Wars-Drehort. Lehmgewölbe, einer der bekanntesten Ksars.
- Chenini Berber-Bergdorf an einer Felskante. Siebenschläfer-Moschee mit schiefem Turm.
- Douiret Verfallenes Berberdorf — fast verlassen, sehr atmosphärisch.
- Sebkhet el Melah Ausgetrockneter Salzsee auf dem Weg nach Djerba.
- Siebenschläfer-Moschee Moschee in Chenini.