Philipp’s Travel Blog
← Zurück zum Blog

Geburtstagsgeschenk der Sorte „weiß genau was du willst". Tami hatte mir den Sprung von der Staumauer am Schlegeis-Stausee gebucht. Der wahre Endgegner war nicht der freie Fall selbst, sondern der Moment des Loslassens – die Hände vom schützenden Geländer zu nehmen, während das schwere Seil einen bereits in den Abgrund zieht und jede Faser des Körpers Todesangst schreit. Nach dem stummen Schock von „3... 2... 1...“ wich der Horror einem Gefühl absoluter Freiheit. Action-Seele: vollkommen befriedigt.

Das Schöne ist beim Bungee Jump, dass man selber die Kontrolle hat und sich selber überwinden muss."
  1. Zwischenstopp am wunderschönen Sylvenstein-Speicher
  2. Wanderung zum Keilkeller-Wasserfall
  3. 96-Meter-Bungy von der Schlegeis-Staumauer
3 Stopps · Route: Auto

Ein Adrenalin-Junkie ohne Initiative

Wenn ich mich selbst beschreiben müsste, würde ich sagen: Ich bin ein Adrenalin-Junkie. Ein Fallschirmsprung, ein Bungee-Jump, eine rasante Autofahrt – solche Dinge standen schon immer ganz oben auf meiner imaginären Wunschliste. Ungeplant war das nie. Mein Problem war nur: Ich habe mich selbst nie dazu aufgerafft, auch wirklich mal die Initiative zu ergreifen. Ich habe das Thema einfach ein bisschen versickern lassen und meine Action-suchende Seele kam eigentlich nie wirklich auf ihre Kosten.

Aber zum Glück habe ich Tami. Sie kannte diesen geheimen Wunsch und hat mir zum Geburtstag genau das Richtige geschenkt: einen Gutschein für einen Bungee-Jump am Schlegeis-Stausee. Gesagt, getan.

Boxenstopp am Sylvensteinspeicher und Zillertal-Romantik

Am 9. Juni machten wir uns auf den Weg in Richtung Zillertal. Unterwegs legten wir noch einen spontanen Zwischenstopp am Sylvensteinspeicher ein. Ein wirklich schöner See, an dem ich tatsächlich noch nie zuvor gewesen war.

Danach ging es weiter nach Österreich, ins Zillertal. Wir hatten uns für die Nacht vor dem Sprung ein schönes Hotel im kleinen Ort Schwendau gebucht. Da das Wetter hervorragend mitspielte, nutzten wir den restlichen Tag für einen schönen Spaziergang, der sich schnell zu einer kleinen Wanderung ausweitete. Wir liefen am Fluss entlang und wurden schließlich mit dem Ausblick auf einen richtig coolen Wasserfall belohnt – den Keilkeller Wasserfall. Ein perfekter Start, der am Abend durch ein gutes Essen im Hotel abgerundet wurde.

Ehrfurcht an der Staumauer

Am nächsten Morgen war es dann soweit: Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Schlegeis-Stausee. Schon bei der Ankunft war die Kulisse absolut beeindruckend. Dieser riesige Stausee, hoch oben in den Alpen, und diese gewaltige Mauer, die unvorstellbare Wassermassen zurückhält. Ein echtes “Civil Engineering Marvel”, das einem sofort tiefen Respekt und Ehrfurcht einflößt, wenn man davor – oder besser gesagt darauf – steht.

Als ich dann auf der Brücke stand und in die Tiefe starrte, schoss mir unweigerlich mein erster Gedanke durch den Kopf: “Ah ja… warum habe ich mir das bloß eingebrockt? Brauche ich das wirklich?”

Aber es gab kein Zurück mehr. Also bin ich direkt zum Podest gegangen.

Das Besondere – und gleichzeitig das Schlimmste – an einem Bungee-Jump ist, dass man selbst die absolute Kontrolle hat. Man muss sich völlig aus eigener Kraft überwinden. Es ist nicht wie bei einem Tandem-Fallschirmsprung, wo du festgeschnallt bist und vom Instruktor einfach mit aus dem Flugzeug geschleift wirst. Hier musst du den entscheidenden Schritt selbst tun.

Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen wildesten, alles entscheidenden Moment: Ich stand draußen auf der Plattform, das Herz schlug mir bis zum Hals. Ich klammerte mich an das rettende Geländer, und dann auf einmal hieß es: “Hände weg vom Geländer und ran ans Seil!”

Das war der absolut kritischste Moment, in dem meine Überlebensinstinkte komplett reingekickt haben. Das lange, schwere Bungee-Seil hing nach unten und war sehr träge, wodurch es einen ständigen, starken Zug nach vorne erzeugte. Ich stand da also, die Hände am Seil, und spürte, wie mich dieses Gewicht förmlich in den Abgrund ziehen wollte. Mein ganzer Körper hat innerlich geschrien: “Weg da! Weg da! Du wirst sterben!”

Als wäre es nicht schon schlimm genug, so kurz vor dem Abgrund zu stehen, musste ich mich in diesem Moment auch noch aktiv gegen jede Faser meines eigenen Überlebenstriebs durchsetzen. Ich atmete tief durch, zählte innerlich den Countdown runter – 3… 2… 1… – und bin gesprungen.

Geschrien habe ich nicht. Der Schock saß dafür einfach viel zu tief in mir. Gefallen bin ich im reinen, senkrechten freien Fall eigentlich gar nicht so weit, vielleicht schätzungsweise 30 Meter. Danach ging das Ganze eher in einen riesigen Rope Swing über, anstatt eines klassischen, rein vertikalen Bungee-Jumps.

Ehrlich gesagt: Es wurde dann auch ziemlich schnell besser. Die allererste Sekunde des Falls war noch vom puren Schock dominiert, aber selbst während ich noch fiel, wich die Panik einem Gefühl von Freiheit.

Rückblickend war der Sprung an sich gar nicht das Heftigste an dem gesamten Erlebnis. Der wahre Endgegner war dieses Loslassen. Das rettende Geländer aufgeben und sich freiwillig in den Zug des Seils zu begeben, während jede Zelle deines Körpers Alarm schlägt (obwohl man rational weiß, dass praktisch kein Risiko besteht) – das erfordert eine extreme Überwindung. Ein unglaublich intensiver Moment.

Nach dem Sprung pendelte ich noch eine Weile gemütlich hin und her, bevor ich schließlich langsam abgelassen wurde. Den kurzen Weg zurück nach oben trat ich dann mit einem völlig neuen Blickwinkel auf den Stausee an: Voller Adrenalin, unfassbar erleichtert und ja, auch ein bisschen stolz. Ich fühlte mich jedenfalls verdammt cool. Action-Seele: Befriedigt.

Kapitel · Österreich

Österreich

Im Atlas öffnen

Kurz, aber brutal-schön. Schlegeis-Staumauer im Zillertal als Sprung-Plattform — Tirol-Hochgebirge ringsum, türkises Stauseewasser unten. Übernachtung in der Region, am nächsten Tag erstmal bei einem Kaffee am See sitzen und langsam realisieren was eben passiert ist.

Berge, Mauer, Bungy-Seil, los."
  • Schwendau Hotelübernachtung und Wander-Basis.
  • Keilkeller Wasserfall Wanderung am Fluss entlang und durch kleine Höhlen.
  • Schlegeis-Stausee Bungy-Sprung von der 131 m hohen Staumauer (Sprunghöhe 96 m).