Dieses Wochenende stand ganz im Zeichen des Berliner WG-Chaos-Experiments: Bastis Studenten-WG am Schlachtensee war die absolute Krone der Unordnung – von urin-riechenden Waschbecken bis hin zu Mahnbriefen, die als Zigarettenpapier dienten. Nach dem beklemmenden Gefühl im staubig-muffigen Stasi-Museum war das Tanzen zu Peter Fox auf dem WG-Tisch und billiges Sternburger Bier das perfekte Gegenmittel. Ein unvergesslich verkatertes, aber grandios unterhaltsames Treffen mit der alten Crew.
„Der Aufbau des Sozialismus ist in erster Linie eine Erziehung des Menschen."
- Stasi-Museum in Lichtenberg
- Feiern im Ritter Butzke
WG-Leben am Schlachtensee
Der Anlass für unseren Ausflug war eigentlich ein erfreulicher: Basti war fürs Studium nach Berlin gezogen. Leonardo, Bene und ich – die alte Münchner Crew – wollten uns das natürlich nicht entgehen lassen und beschlossen, ihm im April einen Antrittsbesuch abzustatten.
Unsere Basis für dieses Wochenende war Bastis Studentenwohnheim am Schlachtensee. Wir waren natürlich auf Studenten-Standard eingestellt, sprich: Luftmatratze aufblasen, ab auf den Boden und null Luxus. Soweit, so gut. Doch Basti hatte wirklich nicht übertrieben – diese WG war absolut heftig. Das Wort “Zweckgemeinschaft” wurde hier auf ein neues Level gehoben, und es war ungelogen die absolute Krone der Unordentlichkeit. Neben der Badewanne flog alles Mögliche herum, der Boden war derart sandig, dass man dachte, man steht in einem Sandkasten, und das Waschbecken… nun ja, es roch stark nach Urin. Kein weiterer Kommentar dazu.
Auch die Küche war ein Schlachtfeld. Der Mülleimer quoll komplett über. Basti erklärte uns mit einem Schulterzucken, dass dort zwei Mitbewohner regelmäßig exotische Gerichte kochen – Schweinezungen und ähnliche Spezialitäten. Dementsprechend stank es dort eigentlich immer so extrem, dass die Küche praktisch unbenutzbar war. Und die restlichen Typen in der WG? Ziemlich wild. Hauptsächlich ein bisschen verplante, aber nette Zeitgenossen. Die perfekte Beschreibung für den Zustand dieser WG ist wahrscheinlich diese hier: Mahnbriefe von der Kreditkartenfirma wurden als Unterlage zum Kippenstopfen verwendet. Das sagt eigentlich schon alles. Zum Glück wohnte Bastis Freundin nicht in dieser WG, sondern in einer anderen im selben Gebäude, wo es deutlich gesitteter zuging. Aber ich darf mich eigentlich gar nicht beschweren: Zu mir waren die Mitbewohner alle wirklich total nett. Zum Wohnen war es nur eben… naja. Tja, genau so, wie man sich eine abgewrackte Klischee Berliner Studenten-WG vorstellt. Aber hey – es war verdammt lustig und extrem unterhaltsam!
Touri-Runde, Regen und Berliner Kneipen
Für mich war es das zweite Mal in Berlin. Ich kannte die Stadt also schon ein bisschen, diesmal hatten wir aber leider etwas Pech mit dem Wetter: Es war regnerisch und ziemlich kalt. Aber wir ließen uns davon nicht aufhalten und starteten tagsüber die klassische Touri-Runde.
Los ging es am Brandenburger Tor, dann direkt weiter am Reichstag vorbei. Wir schlenderten den Alexanderplatz hinunter, kamen am Berliner Dom und natürlich am Fernsehturm vorbei. Die absolute Standard-Route eben. Um dem kalten Wetter ein bisschen zu entfliehen, landeten wir schließlich in einer Bar. Dort trafen wir lustigerweise ganz zufällig Aleks, der gerade beruflich in der Stadt unterwegs war. Was mich als Münchner allerdings völlig schockiert (und auch sehr ungewohnt für mich) hat: In den Bars wurde geraucht!
Frisch gestärkt ging es weiter in den Osten der Stadt. Wir schauten uns die Überreste der Berliner Mauer an, machten Halt am Holocaust-Mahnmal und klapperten noch ein paar sowjetische Denkmäler ab.
Am Abend bauten Leo und Bene dann ordentlich Druck auf – wir mussten natürlich feiern gehen. Wir landeten im berühmten Club Ritter Butzke. Und was soll ich sagen: Das Thema “Berlin Feiern” können wir definitiv abhaken. Check, wurde gemacht.
Die muffige Welt der Stasi und billiges Bier
Am nächsten Tag war ich mit der Programmplanung an der Reihe, und meine Wahl fiel auf das Stasi-Museum. Ich habe ein hohes Interesse an der Geschichte der Sowjetunion und an sozialistischen Regimen, weshalb ich das Museum unbedingt sehen wollte.
Es war absolut faszinierend und gleichzeitig bedrückend. Allein die Andersartigkeit – wie die originalen Möbel dort aussahen: altbacken, muffig und völlig aus der Zeit gefallen. Man fühlte sich wirklich in eine komplett andere Welt versetzt. In der Luft hing durchgehend ein unheimliches Unbehagen. Dieser Besuch hat einmal mehr meine Meinung zementiert: Ich hasse den Sozialismus. Ein Zitat, das dort stand und mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, lautete:
“Der Aufbau des Sozialismus ist in erster Linie eine Erziehung des Menschen.”
Puh. Nach diesem schweren Brocken Geschichte brauchten wir etwas Abwechslung. Wir machten noch eine kleine, lustige Fotosession am Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain, und dann war der Tag auch schon wieder rum.
Den letzten Abend ließen wir deutlich entspannter angehen. Wir blieben im Studentenwohnheim, spielten ein paar Runden Bierpong mit den anderen, leicht verplanten WG-Bewohnern und leerten einige Flaschen des sagenumwobenen, billigen Sternburger Biers. Ein besonderes Highlight ganz zum Schluss: Wir haben zu Peter Fox auf Bastis Tisch getanzt.
Am nächsten Tag fuhren wir wieder zurück nach München – glücklich, voller absurder WG-Eindrücke und mit wunderbarem Kopfweh vom Sterni.
Deutschland
Im Atlas öffnenWieder einmal Berlin als Verlängerter-Wochenend-Default für eine alte Studi-Crew. Mischung aus Geschichte (Stasi-Museum war diesmal Pflicht) und Quatsch — nachts vorm Brandenburger Tor, tagsüber im Café. Wohnheim am Schlachtensee als Basis war ein Glücksgriff: morgens vor dem Frühstück schon mal kurz an den See.
„Vier Tage reichen für genau einen Bruchteil dieser Stadt."
- Berlin
- Schlachtensee Studi-Wohnheim als Basis, See vor der Tür.
- Brandenburger Tor
- Reichstag
- Alexanderplatz
- Berliner Dom
- Fernsehturm
- Berliner Mauer
- Holocaust-Mahnmal
- Ritter Butzke
- Stasi-Museum Muffige Geschichte hautnah.
- Märchenbrunnen